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Geschichte von Vendôme



Die Stadt schmiegt sich ins Tal des Loir

Der in mehrere Arme geteilte Loir begünstigte in der Urgeschichte die Ansiedlung von Menschen, die sich wenig später in Höhlen am Hang des linken Flussufers niederliessen. Es gibt jedoch nur wenige Informationen über die ursprüngliche Bevölkerung der Gegend des heutigen Vendôme.

Die erste schriftliche Erwähnung von “Vendôme” (“...cum castellis Duno vel Vindocino...”) findet man im Vertrag von Andelot, der im Jahre 587 unterzeichnet wurde.

Auf der felsigen Anhöhe im Süden stand der ursprüngliche Bergfried des Schlosses von Vendôme.

Es entstand wahrscheinlich im 11. Jahrhundert aus einem römischen castrum, das aus einem gallischen oppidum hervorgegangen war.

Die ersten Wohnstätten siedelten sich um die Abbaye de la Trinité (Abtei der Dreifaltigkeit, 1032 gegründet) und die ursprüngliche Kirche Saint Martin herum an.

Die Festungsanlagen

Der mehr oder weniger kanalisierte Loir stellte einen natürlichen Schutzgraben dar, der von einer befestigten Mauer verstärkt wurde. Diese Mauer soll in der Zeit nach 1227 gebaut worden sein, auf Beschluss von Blanche de Castille und ihrem jungen Sohn Louis IX, die bei Comte (Graf) Jean IV Hilfe und Schutz suchten.

Damals bestand Vendôme aus drei Pfarrbezirken: Saint Martin, sowie Saint Bienheuré und Saint Lubin in der südlichen Vorstadt.

Im 17. Jahrhundert vergrössert sich die Stadt über ihre Mauern hinaus

Die Festungsmauer verlor ihre Schutzfunktion, da sie schlecht instand gehalten wurde und ihr die Hochwasser des Loir immer wieder Schaden zufügten. Nach und nach ließen sich die Vendômer außerhalb der Stadtmauer nieder. Auch im Süden öffnete ein neues Haupttor (Porte de Beauce) die Schlossmauer und durch die Errichtung einer Rampe hatte die Stadt einen direkten Zugang zum Schloss. Verschiedene religiöse Bruderschaften richteten ihre Klöster im Stadtzentrum (Oratorianer) und in der nördlichen Vorstadt ein (Kapuziner, Ursulinen, Kalvarierinnen)..

Neues Stadtbild im 19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Gebäude der ehemaligen Benediktinerabtei zu einer Kavalleriekaserne, in der 800 Männer untergebracht waren. Die Rochambeau-Kaserne machte fast ein Viertel der Gesamtfläche des historischen Stadtkerns aus. Um sie zugänglich zu machen, wurden drei neue Brücken (Brücke der Kaserne, Brücke der Abtei und Islette - Brücke) sowie die Rue de l'Abbaye gebaut. Von 1858 bis 1896 wurden die Straßen nach und nach verbreitert und die Gebäudefassaden rekonstruiert.

Der Gemeinderat beschloss, die seit 1857 teilweise zerstörte Kirche Saint Martin vollends abzureißen und somit entstand im Herzen von Vendôme ein neuer Platz. Wohingegen in den Vororten nach wie vor genügend Raum für den Gemüseanbau blieb. Damals stellte die Eisenbahnlinie, die zwischen 1864 und1867 erbaut wurde, die Nordgrenze der Stadt dar.

Wiederaufbau und Entwicklung im 20. Jahrhundert

Durch den Bombenangriff vom 15. Juni 1940 brannte beinahe ein Viertel der Innenstadt von Vendôme ab und musste wieder aufgebaut werden. Die Wohnungsnot, die das Nachkriegs-Frankreich charakterisierte fand in Vendôme eine Lösung, indem auf großflächigem Ackerland zwischen Eisenbahn und Nordhang Wohnungen gebaut wurde.

Das Neubaugebiet "Les Rottes" (altfranzösisch "rotes" = kleine Pfade) wird von 1959 bis 1966 auf 83 Hektar angelegt und umfasst 1442 Wohnungen in Mietshäusern und 477 Einfamilienhäuser.

Die Kirche Notre Dame in diesem neuen Viertel verdient es, von innen gesehen zu werden. Ihre ovale Grundfläche ist von einer Kuppel überdacht. Diese Kuppel umfasst 800 m2 und besteht aus einer nur 7 cm dicken Betonschicht.

Die Stadt heute

Seit den 80er Jahren entwickelt sich die Stadt weiter über den Südhang hinaus, der einst eine natürliche Barriere bildete.

Ein weiteres Neubauviertel “Quartier des Aigremonts” (etymologisch : steile Hügel) entsteht im Süden der Stadt.

Dadurch verteilen sich sowohl die Bevölkerung als auch ihre Aktivitäten gleichmäßig über die ganze Gemeinde, die 18.500 Einwohner zählt, im Herzen eines Einzugsgebiets von mehr als 30000 Menschen. Große Straßen werden angelegt, um dem Verkehr gerecht zu werden: 1967 die Avenue Gérard-Yvon (in Richtung Le Mans), 1978 bis 1980 der Boulevard Kennedy und 1976 die Umleitung der Nationalstraße 10 (Bordeaux-Paris).

 

Die Stadt im Laufe der Jahrhunderte

Am Rande der Grafschaft Anjou

Im Jahre 1032 mit der Thronbesteigung von Geoffroy Martel, dem Sohn von Foulque Nerra, Graf von Anjou, beginnt die Einflussnahme des Hauses Anjou auf die Grafschaft Vendôme.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts geht die Stadt nacheinander von Heinrich II Plantagenêt in die Hände von Philippe Auguste über. Endlose territoriale Streitigkeiten führen ohne Zweifel im Verlaufe des 14. Jahrhunderts dazu, dass die Grafen von Vendôme und Blois ihre jeweiligen Gebiete abgrenzen.

Vendôme spielte eine Rolle in der nationalen Geschichte, während des zweimonatigen Prozesses von einem der Pairs von Frankreich (Prinzen). Im Jahre 1458 liess Charles VII einen "lit de justice" (Gerichtshof) im Schloss einrichten. Dort wurde der Herzog von Alençon wegen eines geheimen Abkommens mit den Engländern verurteilt.

Durch die Aufnahme dieses Tribunals betonte Graf Jean VIII seine Unterstützung und seine Treue zum König.

Die Trinité von Vendôme, eine mächtige Abtei schon seit dem 11. Jahrhundert

Im Jahre 1066 erhielt Abt Odéric als erster den Kardinalstitel. Diese direkte und privilegierte Verbindung der Abtei zum Papst bestand bis zur Revolution. Abt Geoffroy I (Abt von 1093 bis 1132) machte den Einfluss der Abtei geltend, insbesondere durch sein entscheidendes Einschreiten in den Investiturstreit. Er machte es Papst Urban II möglich, seine Stellung wieder einzunehmen. Diese Machtstellung des Abts erzeugte zwangsweise ständing Spannungen mit den Grafen von Vendôme, die 1185 durch ein Abkommen geregelt wurden.

Die Familie Bourbon-Vendôme

Im Jahre 1371 starben Graf Bouchard VII und seine Tochter Jeanne und somit übernahm Catherine de Vendôme, Schwester von Bouchard VII, das Erbe, die Grafschaft von Vendôme. Durch ihre Heirat mit Jean de Bourbon-la -Marche entstand das Haus Bourbon-Vendôme. Diese Dynastie prägte die Geschichte der Grafschaft, die 1515 zum Herzogtum wurde. Beispielhaft dafür ist die Gräfin Marie de Luxembourg (1462-1546), Tochter von Pierre de Luxembourg und Marguerite de Savoie, die ein halbes Jahrhundert lang, nach dem Tod ihres Ehemanns François de Bourbon, die Rolle einer Mäzenin spielte.

Auf ihre Anweisung hin wurden die Kapelle Saint Jacques, das Tor Saint Georges und die Stiftskirche des Schlosses verschönert. Weiterhin ordnete sie den Wiederaufbau der Kirche Saint Martin an.

Am 20. Oktober 1548 heiratete Jeanne d’Albret (1528-1572) Antoine de Bourbon (1518-1562), den zweiten Herzog von Vendôme. Als Protestantin wollte sie, dass ihre kurzen Aufenthalte auf dem katholischen Boden von Vendôme nicht in Vergessenheit geraten. Im Jahre 1562 entweihten und plünderten Hugenotten die Stiftskirche Saint Georges.

Diese eigentliche Grabstätte der Bourbon-Vendôme, im Herzen ihres Schlosses, wurde im Jahre 1793 erneut verwüstet. Heute bestehen davon nur noch einige Mauerreste.

Im November 1589 besetzte der Protestant Henri IV das Schloss und die Stadt, die sich beide in den Händen der Katholischen Liga befanden.

Vendôme im Herzen der Revolutionsgeschichte

Um den ruhigen Verlauf einer Gerichtsverhandlung während der Revolutionszeit zu gewährleisten, wurde Vendôme ausgesucht, da es mehr als 120 Km von Paris entfernt lag  und wurde somit Schauplatz des Sondergerichtshofs im Prozess gegen Gracchus Babeuf und Augustin Darthé samt ihrer Anhänger. Sieben Monate dauerten die hitzigen Verhandlungen und heftigen Debatten, die die gesamte Stadt erregten. Schließlich wurden die beiden Hauptangeklagten hingerichtet und die meisten ihrer Sympathisanten deportiert. Das Jahr 1786 bedeutete zwar das Ende der Anführer der "Verschwörung der Gleichen", aber ihre Ideen werden nach der Revolution von 1830 eine neue Blüte erfahren.

Der Bombenangriff vom 15. Juni 1940

Dieser Angriff forderte viele Opfer (89 Tote und über 200 Verletzte). Das gesamte historische Zentrum wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Ungefähr vier Hektar wurden durch Bomben und den darauf folgenden Brand zerstört. Das Gerichtsgebäude, der Gouverneurssitz sowie zahlreiche Fachwerkhäuser waren völlig verschwunden. Heute bestehen nur noch ungefähr sechzig Fachwerkhäuser, deren Fassaden häufig hinter Putz versteckt sind.

Eine Stadt in ständigem Wandel

1990 wurde der TGV-Bahnhof gebaut. Paris ist nun in 43 Minuten erreichbar. Diese Neuerung geht mit einer großen Veränderung im wirtschaftlichen Bereich einher. Drei verschiedene Bereiche sind betroffen: Luftfahrt-, Elektrogeräte- und Kraftfahrzeugindustrie. Ein vielfältiges Angebot an Geschäften und Dienstleistungen sowie ein dynamisches Kultur- und Vereinsleben machen Vendôme zum regionalen Entwicklungszentrum mit einem Einzugsgebiet von 70 000 Einwohnern.